Asperger-Stammtisch Frankfurt am Main

Diagnostik

Ein Verdacht auf Asperger-Syn­drom sollte durch eine auf diesem Gebiet quali­fizierte Stelle abgeklärt werden. Verdachts­diagnosen durch Psycho­therapeuten oder Ärzte ohne spezielle Aus­bildung im Bereich Autis­mus sind wenig ver­läss­lich und werden von Behörden in der Regel nicht anerkannt. Eine Liste geeigneter Institute folgt am Ende dieser Seite. (Leider ist die Ver­sorgungs­lage im Rhein-Main-Gebiet mangelhaft.)

Typische Elemente der Dia­gnostik sind: Anam­nese (vor allem Kind­heit, ggf. Befragung von Eltern), Frage­bögen, struk­turierte Inter­views und neuro­psycho­logische Tests zur Identi­fikation autismus­typischer Kognitions- und Ver­haltens­muster. Manche Dia­gnos­tiker arbeiten mit Video­auf­nahmen zur Ver­haltens­beobach­tung. In der Regel sind min­destens zwei Ter­mine erforderlich.

Die Diagnostik hat grundsätzlich zwei Probleme zu klären:

Wann ist ein Verdacht begründet?

Ein Asperger-Syndrom wird dia­gnosti­ziert, wenn eine autismus­typische Sympto­matik mit der charak­teristi­schen Verbin­dung aus Pro­blemen im Sozial­verhalten und stereo­typen Ver­haltens­mustern seit dem frühen Kindes­alter durch­gängig zu beobachten ist. Im Erwach­senen­alter, wo die Betrof­fenen häufig einige Bewäl­tigungs- und Kom­pen­sations­stra­tegien ent­wickelt haben, ähneln Symptome des Asperger-Syn­droms oft denen ver­schiedener Persön­lich­keits­störungen, weshalb eine korrekte differen­tial­dia­gnostische Zuordnung des Ursachen­zusammen­hangs schwierig sein kann.

Grundsätzlich ist eine Diagnostik dann ratsam, wenn soziale Anpas­sungs­schwie­rig­keiten zu signi­fi­kanten Erschwer­nissen im beruf­lichen wie privaten Umfeld führen und ein Interesse an Unter­stüt­zung und Nach­teils­aus­gleichen besteht. Auch autistische Erwach­sene, die ein stabiles Lebens­umfeld haben, sind typischer­weise besonders gefährdet in dem Fall, dass in diesem Umfeld unerwartete Ver­ände­rungen (z. B. Verlust des Arbeits­platzes, Weg­fall wich­tiger Bezugs­personen usw.) eintreten. Mit Autismus ver­bundene Lebens­erschwer­nisse führen überdies häufig zu Depres­sionen oder Persön­lich­keits­störungen, bei deren Behandlung eine Kenntnis des Hinter­grunds wichtig ist.

Screeningtests im Internet

Im Internet stehen ver­schiedene Selbst­tests zur Ver­fügung, die mit Vor­sicht zu hand­haben sind. Sie können Hin­weise liefern, ob ein Asperger-Syn­drom in Betracht zu ziehen ist, aber keine profes­sio­nelle Dia­gnostik ersetzen. Einige sind wenig aussage­kräftig, weil sie vorwiegend Persön­lich­keits­merkmale erfassen, die nicht autismus­spezi­fisch sind, sondern allgemein in hohem Maße bei stark intro­ver­tierten Menschen oder Menschen mit bestimmten Persön­lich­keits­störungen anzu­treffen sind. Von einer vor­schnellen »Selbst­diagnose« eines Asperger-Syn­droms ist abzu­raten: Wir haben schon öfters erlebt, dass durchaus intelli­gente und gebildete Menschen sich steif und fest ein Asperger-Syn­drom ein­redeten und dann bitter ent­täuscht waren, als eine qualifi­zierte Über­prü­fung negativ aus­ging. »Asperger« genießt zweifel­los unter allen psychia­trischen Dia­gnosen das höchste Prestige, und das Thema hat inzwischen eine (oft nicht unproble­matische) Medien­präsenz mit positiven Kon­nota­tionen erlangt. Das ver­leitet Laien nicht selten dazu, Sympto­matiken von Persönlich­keits­störungen oder auch Auf­merk­samkeits­defizit-Störungen irrtüm­lich für »Autismus« zu halten.[1] Auch von interes­sierten Kreisen ver­breitete »alter­native« Theo­rien, in denen Autis­mus in eine Art Hoch­sensi­bilität uminter­pretiert wird, ver­ursachen häufig Miss­verständ­nisse und tragen zur Klärung und Bewäl­tigung der Pro­bleme wirk­lich autisti­scher Menschen nichts bei.

Die meisten der im Netz auffind­baren Frage­bögen sind zu For­schungs­zwecken ent­wickelt worden, um Charak­te­ristika von Menschen mit und ohne AS-Diagnose im Ver­gleich sta­tistisch zu erfassen. Autisti­sche Menschen erzielen in diesen Tests zumeist charak­te­ristische Werte. Das gestattet jedoch nicht den Umkehr­schluss, dass bei allen Personen, die diese Werte erzielen, Autismus vor­liegt. Zu beachten ist auch, dass von diversen im Original englisch­spra­chigen Frage­bögen fehler­hafte Über­setzungen in Umlauf sind.[2] Auf eine Ver­linkung solcher Tests verzichten wir, weil wir weder für die Korrekt­heit der Über­setzungen noch der Auswertungs­skripte bürgen können.

Adressen für Diagnostik im Erwachsenen­alter

Alle Angaben ohne Gewähr.

  1. Vgl. Matthias Dose: Vorschnelle Selbstdiagnose Asperger-Syndrom, NeuroTransmitter 7-8.2009, S. 32–36.  ↩

  2. So bietet ein Wiener Psychologe unter www.psychotherapiepraxis.at eine Version von Baron-Cohens Test zur Ermittlung des »Autismus­quotienten« an, in der Satz 18 »When I talk, it isn’t always easy for others to get a word in edgewise« völlig sinn­ent­stellend mit »Wenn ich spreche, fällt es Leuten mitunter schwer, mir zu folgen, wenn mir diese nicht direkt gegenüber sitzen« übersetzt ist (»to get a word in edgewise« bedeutet einfach »zu Wort kommen«).  ↩